Silver Sepp
Zu Beginn seines Konzertes erzählt uns Silver Sepp eine Geschichte auf Estnisch. Danach liest er auf Deutsch ab: „Jetzt haben Sie nicht verstanden was ich gesagt habe.“ Da hat er Recht. Dann fügt er hinzu: „Und jetzt habe ICH nicht verstanden was ich gesagt habe.“ Dann wechselt er ins Englische. Aber das Eis ist schon gebrochen und wir sind mitten drin in einem Konzert zum Mitmachen und Dahinschwelgen und auch Lachen. Da es in Silver Sepps Heimat Estland immer kalt ist, muss er hier genug trinken. Erzählt er uns. Als er dann seine Wasserflasche öffnet, verwandelt er das Stück Plastik in ein wunderschönes Instrument: Ein Zischlaut beim Öffnen, dazu Trommellaute und Schüttelgeräusche. Die erzeugten Klänge werden von einer Loopbox immer wieder abgespielt. Silver Sepp ergänzt sie durch neue Töne.
„Wie komme ich eigentlich hierher?“ fragt Silver Sepp. Und weiter: „Woher komme ich? Und woher kommt ihr?“ Singend erzählt er: Zu Beginn war alles Wasser. Da kam ein Vogel geflogen. Der trug Erde bei sich, die er auf das Wasser fallen lies. Daraus wurde eine Insel. Auf dieser wuchsen drei Bäume. Aus ihnen flogen drei weitere Vögel empor. Der erste brachte die Sonne, der zweite die Sterne und der dritte den Mond. Echt sympathisch, dieser Musiker, der seine Inspiration in seiner unmittelbaren Umgebung findet.
Alles fing an mit einem alten rostigen Auto. Je nach Tempo brachte es Pfeiftöne hervor, die die natürliche Obertonreihe bildeten. Diese ist in jedem Ton, den wir hören, vorhanden und bildet die Grundlage für dessen charakteristischen Klang. Silver Sepps Auto war sein bisher größtes Instrument. Bis die Polizei kam...
Der Este lädt uns immer wieder ein, mit ihm zu singen. Er möchte ihn und uns an entfernte und entlegene Orte entführen. So singen wir meditative Melodien und imitieren einen Dudelsack.
Und wir sollen es ihm gleich tun und zuhause unsere eigenen Instrumente schaffen. Zum Beispiel mit einem alten Fahrradrad. Aufs Gummi und in die Speichen geklopft wird daraus ein Schlaginstrument, mit unbekannten und neuen Klängen.
Silver Sepp hat auf seinem Hof in Nordestland ein Stück Holz gefunden, auf dem Fischernetze gemacht werden. Ein paar Nägel in unterschiedlicher Dicke und Länge hineingeschlagen und schon kann er darauf mit Geigenbögen streichen, die Nägel zupfen und darauf schlagen. Der Ton, der dadurch hervorgebracht wird klingt ein wenig, als ob er in Flaschen pusten würde.
Silver Sepp liebt die Spontanität. Vom TFF hat er sich einen Baumstamm besorgen lassen, den er kurz vor dem Konzert noch bearbeitet hat. Als er die Nägel im Holz auf der Bühne noch einmal zurecht biegt und hämmert, verteidigt er sich mit einem Zwinkern: „Gitarristen dürfen das auf der Bühne doch auch noch?!“
So geht die Stunde mit Silver Sepp schnell rum. Aber das soll es nicht gewesen sein! Wer möchte, kann ihn noch einmal am Samstag um 14 Uhr am Neumarkt und am Sonntag um 12 Uhr am Schulplatz erleben.
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