Eine Reise nach Skandinavien

Als ich zum Konzert der drei Norweger möchte, bleibe ich in der meterlangen Schlange hängen. Das Interesse der TFF-Besucher an diesem Event ist riesig!

Mattis Kleppen und Ottar Kåsa spielen alleine und zu zweit Lieder über kämpfende Trolle, die norwegische Natur und das Leben. Kåsa scheint die Töne aus seiner Geige herauszulocken, die aus seinem Instrument ausbrechen möchten. Dazu stampfen beide Musiker rhythmisch auf den Boden und imitieren so einen Bassbeat. Kleppen spielt auf seinem Bass meist hohle Quinten und improvisiert darüber eingehende Melodien, die einen in entlegene norwegische Fjorde schicken.

Zwischendurch erzählt Hansegård von seiner Tanzkompanie Frikal; seine Tänze sind inspiriert von der Geschichte und der Natur Norwegens. Die drei Künstler stimmen uns immer mit kleinen Geschichten auf die folgenden Stücke ein. Doch eigentlich erzählen Norweger nicht so viel, meint Hansegård, deshalb sind Tanz und Musik so wichtig.

Kåsa muss seine empfindliche Hardangerfiedel immer wieder stimmen, das nimmt einige Zeit in Anspruch. Einmal kündigt er sein nächstes Stück an und stimmt dann nochmal nach. Nach einiger Zeit weist er uns darauf hin, dass das Stück noch nicht angefangen hat. Es herrscht eine lockere Atmosphäre im Theater Rudolstadt. Für mich ist es ein tolles Erlebnis, solch eine Geige einmal in live zu sehen. Denn die aus der Telemark stammende Hardangerfiedel ist sehr selten geworden. Sie wird in der Volksmusik Südnorwegens gespielt. Aufgrund ihres flachen Halses sind bis zu drei Saiten gleichzeitig spielbar. Resonanzsaiten unterhalb der gespielten Saiten sorgen für einen ganz eigenen, scharfen Klang. Sogar Konzerte für Hardangerfiedel und Orchester wurden geschrieben und einige Klavierstücke von Edvard Grieg basieren auf Hardangerfiedel-Musik. Beim heutigen Konzert wird die traditionelle Geigenmusik gemischt mit modernen Jazzgitarren-Klängen und -Rhythmen. 

Aber Kleppen hat auch traditionelle Musik aus Mali im Gepäck, die er auf seinen vielen Reisen kennengelernt hat. Gemeinsam mit Kåsa mischt er sie mit der Telemark-Musik und westlichem Jazz.  Die Melodie singt er mit und die Geige improvisiert darüber. Auch norwegische Volkslieder werden verjazzt an diesem letzten Tag des TFF.

Zurück nach Deutschland geholt verlasse ich mit den begeisterten Konzertbesuchern das Theater.

 

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